Unsichtbare Familienarbeit, Mamathemen, Blog ©Mamahilfe Odenwald
Mamathemen

Unsichtbare Familienarbeit

Kennst du auch das Gefühl, wenn du erschöpft in den Sessel sinkst nachdem das letzte Kind endlich eingeschlafen ist? Dein Blick wandert in die Küche, wo sich das Geschirr vom Abendbrot stapelt. Du hast es stehen lassen, weil dir dein Kind nach dem Essen alle seine Kunstwerke zeigen wollte, die es gemalt hat. Ein kurzer Gedanke an die saubere Wäsche, die noch im Korb liegt zum Legen. Plötzlich fällt dir der Kuchen ein, den du noch backen wolltest für den Basar in der Schule.

Was hast du nur den ganzen Tag gemacht? fragst du dich oft in diesen Minuten. Wenn du ganz ehrlich mit dir bist und deine Zeit nicht mit dem Smartphone verschwendest, wirst du vermutlich deinen Tag mit Familienarbeit verbracht haben. Und zwar wahrscheinlich mit dem Teil der Familienarbeit, der oft im unsichtbaren bleibt.

Arbeit, die im Verborgenen liegt

Unsichtbare Familienarbeit – die erledigen wir alle. Ganz egal, ob du dich für ein Lebensmodell als Hausfrau und Mutter, als Teilzeitbeschäftigte, als Freiberuflerin oder als in Vollzeit Berufstätige entschieden hast. Neben deinen Pflichten im Haushalt, am Schreibtisch, am Arbeitsplatz oder sonst irgendwo, erledigst du auch noch Dinge, die niemand sieht. Sehen würde die Welt sie erst, wenn du sie nicht mehr tun würdest. Nicht die Dinge selbst natürlich, die bleiben unsichtbar, aber die Folgen deines Nichtstuns würde die Welt schnell wahrnehmen.

Unsichtbares, hat keinen Wert?

Nach wie vor wird die meiste Haus- und Familienarbeit von Frauen erledigt – unabhängig vom Grad der Erwerbstätigkeit. Der Spagat zwischen dem traditionellen Rollenbild der fürsorglichen Mutter, dem Wunsch nach Gleichberechtigung und partnerschaftlich geteilter Haus- und Familienarbeit bringt viele Mütter an ihre Grenzen.

Vieles hat sich zwar verbessert in den vergangenen Jahrzehnten, doch klassische Haushaltsroutinen wie waschen, putzen, bügeln, einkaufen, Kinder zum Arzt bringen, den Kindergeburtstag organisieren und vieles mehr, ist immer noch Müttersache, auch wenn sie berufstätig sind. Mütter leisten noch immer wesentlich mehr unbezahlte und unsichtbare Familienarbeit als Väter. Doch es gibt sicherlich Ausnahmen und Einzelfälle.

Na ja und unsichtbar, sind auch die vielen Stunden, die du am Bett sitzt und dein Kind sicher in den Schlaf bringt. Oder auch die Stunden, die du auf dem Sofa bist, wenn sie mal krank sind. Es sind die Stunden, die du Abenteuer Geschichten vorliest oder Kostüme bastelst. Und auch die Stunden, die du das kleine Fahrrad schiebst, auf dem ein Kind seine ersten Fahrversuche macht. Wenn du mit deinen Kindern lachst, es Zuhause gemütlich machst und ein offenes Ohr hast, wenn es von der Schule kommt.

Niemand sieht all die Stunden, die du schon am Esstisch verbracht hast, während Kinder lernen oder Hausaufgaben machen mussten. Oder auch die Stunden, die du im Schwimmbad verbringst, wenn du dein Kind beim Schwimmen lernen begleitest… usw. Niemand bekommt mit, wie oft du in dem, was du gerade tun willst, unterbrochen wirst und Spagate schlägst zwischen Kinder Universen und Elternpflichten. Es gibt so viele Stunden unsichtbare Familienarbeit, von Eltern, die nicht gesehen und wertgeschätzt wird!

Sichtbar wird´s erst, wenn es nicht mehr getan wird

Wenn Mütter (oder Väter) diese Art der Arbeit einstellen würden, ist sie sofort sichtbar. Kinder, die zu Hause keine Geborgenheit – diese unsichtbare Familienarbeit – mehr erwartet, fallen auf. Sie stellen unsere Gesellschaft vor Herausforderungen. Sie kosten Institutionen Zeit, Geld und Nerven. Es sind Kinder, um die sich gekümmert werden muss. Es sind die Kinder, die in der vierten Klasse weder Rad fahren, noch schwimmen können. (Was momentan ja wieder thematisiert wird!) Und auch die Kinder, die krank und angeschlagen in den Einrichtungen erscheinen. 

Diese unsichtbare Familienarbeit wird in der Tat sichtbar, wenn du als Mutter krank bist oder wegen Überlastung ausfällst. Und das ist ganz egal, ob du beruftstätig bist oder nicht und ob es sich um ein paar Tage oder Jahre handelt. Sich in diesem Fall Hilfe einzugestehen und zu holen, ist kein Drama. In meiner Arbeit als Mamahilfe, treffe ich immer wieder Mütter, die ich genau darin bestärke – indem sie den ersten Schritt gehen oder gegangen sind – Nämlich nach Hilfe zu fragen!

Letztendlich geht es immer um Wertschätzung…

… Wertschätzung, die wir uns Selbst nicht geben. Sie fängt im Kleinen bei uns Selbst an. Du dir Selbst gegenüber, sowie Mütter unter Müttern! Frauen unter Frauen! Menschen unter Menschen! Die mangelnde Wertschätzung spiegelt sich auch in der gesellschaftlichen Bedeutung unbezahlter Familien- und Sorgearbeit wieder.

Das was wir im unsichtbaren tun, wird nie in den Nachrichten gesendet. Es bleibt unausgesprochen. Es geht unter in all den Schlagzeilen, die uns erzählen, wie schlimm unsere Kinder oder auch unsere Jugendlichen geworden sind. Und es sind genau die „Schlag“Zeilen, die Eltern noch mehr verunsichern.

Es findet keine Erwähnung, wenn Eltern als erziehungsfähig, behütet oder auch interessiert dargestellt werden. Der Fokus in der Berichterstattung liegt wie bei Allem, entscheidend im Drama. Dieser Beitrag gilt denen, die sich als Eltern angesprochen fühlen und bereit sind, selbst für eine Veränderung loszugehen. Wie heißt es doch so eindrucksvoll…

„SEI DU SELBST DIE VERÄNDERUNG, DIE DU DIR WÜNSCHST FÜR DIESE WELT.“ Mahatma Gandhi

Das Einzige, was von all den unsichtbaren Stunden erzählt, ist das zärtliche, kleine Gefühl von Geborgen Sein, das wir haben gedeihen lassen. Tief verwurzelt, in den Herzen unserer Kinder und in unseren eigenen. Es bleibt dort konstant und für immer, mal mehr oder weniger spürbar. Es prägt Lebenswege und Erinnerungen.

Dieses Gefühl ist dieser Beitrag, der über die unsichtbare Familienarbeit geschrieben wurde. Und vielleicht reicht das am Ende auch, dass wir einander einfach wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen und aussprechen.

Wer schreibt hier?

Als Mamahilfe im Odenwald, unterstütze ich Mamas bei Krankheit & Überlastung im Familienalltag.

Die Mamahilfe ist ein Projekt, von „Mütter für Mütter“.

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