Zeitverschwendung im Mama Alltag, Smartphone, Mamathemen Blog ©Mamahilfe Odenwald
Mamathemen

Zeitverschwendung im Mama Alltag

Heute spreche ich eine Tatsache aus, die du vielleicht gar nicht hören willst. Ungern, höre ich sie selber und es gibt Momente, in denen ich mich „tatsächlich“ selbst ertappe.

Aber trotzdem soll das Thema hier Platz finden, weil es mir auch in der Arbeit als Mamahilfe immer wieder begegnet. Die Zeitverschwendung im Mama Alltag!

Mal schnell noch hier googeln nach einem Rezept und da schauen für eine Geschenkidee, deiner Freundin rasch eine Whats up schreiben, die Mail noch lesen, Musik downloaden, dieses eine Buch bestellen … ja alles ist möglich, mit dem Smartphone. Es verbindet dich, mit der Welt da draußen und für jegliche Suche, gibt es scheinbare Lösungen.

Schon seit einigen Jahren plädiere ich für Entschleunigung im Alltag und ein achtsames Familienleben. Wobei ich heute weiß, dass es eine Gratwanderung ist. Wir rauben uns und unseren Kindern so unfassbar viel Energie und Frieden, wenn wir weiterhin versuchen, mit diesem absurden Tempo in dem sich unsere Welt dreht, Schritt zu halten. Oft zeigten mir meine Kinder liebevolle Wege auf, aus einer Terminfalle zu flüchten und Energiefresser zu verbannen.

Neben Menschen, die uns nicht gut tun, ist die Zeit allerdings – der größte Dieb aller Zeiten! Die meist erwähnte Antwort ist, keine Zeit für etwas zu haben. Zeit, die wir angeblich nicht haben, aber zunehmend im Internet verbringen. 

Was suchen wir eigentlich in der Online Welt?

Warum sind wir ständig hier? Und wieso fragen wir uns so selten, was das mit uns und unseren Kindern macht? Was auch immer wir suchen, ist jedenfalls nicht das, was wir am Ende tatsächlich finden: Illusionen, Anonymität, Vergleiche, Lärm, Vergänglichkeiten und Optimierungswahnsinn!

Wir sind ständig im Außen. Wir sind Konsumenten. Wir sind ewig Suchende. 
Nach Beteiligung. Nach Zugehörigkeit. Nach Inspiration. Nach Ablenkung.

Dogmatismus, ist auch keine Lösung. Er bringt dich kein bisschen weiter, sondern hält dich nur im nächsten Konstrukt. Die natürlichen Konsequenzen, dieser Entwicklung sind Gleichheit, Entfremdung, Selbstzweifel, Stress, Zeitmangel, Konzentrationsprobleme, Überlastung, Reizbarkeit usw. bei Mama & Kind. Diese Auswirkungen, beobachte ich auch in meiner Arbeit als Mamahilfe. Nicht nur in Einsätzen, sondern hauptsächlich in der Tatsache, dass kein Geld / keine Zeit für eine (Mama)Hilfe da ist.

Es ist unstrittig, dass das Internet mit all seinen Möglichkeiten zur Kommunikation, Vernetzung, Informationsverbreitung und Unterhaltung ein wertvolles Medium ist. Aber es erfordert einen bewussten und achtsamen Umgang. Denn es nimmt so viel, wie es gibt. Vor allem deswegen, weil wir es heute nahezu überall und in jeder Lebenslage nutzen können und wollen. Was vor zwanzig Jahren noch natürlich war und Mütter ihren Instinkten folgten, nehmen ihnen heute die Apps ab. z.B. Apps zum Stillen.

Über die Langzeitfolgen, wissen wir als digitale Vorreiter eigentlich noch gar nichts. Was ich allerdings schon sehr offensichtlich sehe, ist die Vereinsamung und das Wegdriften vom wahren Sein. = vom einfach mal Mama Sein!

Nimm dir doch selbst mal dein Handy weg!

Wenn ich als Mamahilfe in die Familien gehe, um die Mutter im Haushalt zu unterstützen, bei Krankheit oder Überlastung, ist es nicht selten, dass die Mutter in einen „Langeweile = Griff zum Handy“ fällt. Manchmal beobachte ich auch Mütter auf dem Spielplatz mit ihren Kindern, wo der „Warte mal bitte, Mama spricht/liest gerade …“-Automatismus greift, wenn das Kind ihr etwas wichtiges zeigen möchte.

Generell lassen wir viel zu viele Informationen, völlig ungefiltert auf unsere Gedanken und Gefühle einprasseln. Letztendlich haben diese dann so eine starke Wirkung in unserem Mama Alltag, dass wir völlig vergessen, wie „Leben“ wirklich funktioniert. Das bedeutet: Wir sind so weit weg, vom intuitiven Mama Sein, dass wir im Außen wiederum nach Informationen suchen, um Problem XY zu lösen.

Dafür merken wir uns dann, wichtige Lebenszitate auf Pinterest, folgen den Stars und Sternchen in Social Media oder kaufen Online-Kurse, konsumieren Online Kongresse und digitale Bücher, über sämtliche (Problem)-Themen. Sie ersetzen jedoch keine persönliche Begleitung, keine liebevolle Beziehung, keinen Schwangerschaftskurs, keine (Mama)Hilfe und vor allem nicht die eigene Innenschau oder Selbstreflexion.

Neulich hatte ich mal 24 Stunden kein Handy, weil es in der Reparatur war. Anfangs war ich über den verlängerten Aufwand – von Anfangs 1 Stunde – etwas verärgert, weil ich es auch für die Mamahilfe Einsätze benötige. Doch eigentlich hat mich nur die Tatsache umgehauen, mal nicht erreichbar zu sein.

Das Smartphone, als neue freie Droge!

Es hat die Online-Kommunikation um viele Möglichkeiten erweitert, die früher medienfreie Räume waren. Aus einem Raucher Lokal, wurde zwar ein Nichtraucher Lokal – dafür gibts jetzt Internet! Den meisten von uns fehlt die nötige Medienkompetenz für einen gesunden Umgang mit dieser Allgegenwärtigkeit, weil wir die erste Generation sind, die damit leben lernt. Hinzu kommt wirklich die absurde Idee, dass wir durch ein Smartphone immer erreichbar und abrufbar sein müssten. Das kannst du deutlich beobachten, weil dir die neue Droge – als kostenfreies WLAN, HotSpot, WiFi, Internet Gast Zugang… fast überall angeboten wird. Was früher noch der Kaffee zum Klatsch war, ist heute Kaffee und Internet.

Die Nutzung von Smartphones ähnelt, dem süchtig machenden Prinzip von Glückspielautomaten. Dabei wären Ruhephasen ohne diesen Präsenzdruck via Whats App, Instagram, Facebook, Pinterest & Co. wirklich wichtig zur Erholung, Erdung, Reflektion, Regeneration und für wirklichen, echten Kontakt und Beziehung zu anderen Menschen. Und wir müssen schleunigst lernen, wie wir uns diese Zeit und diesen Raum nehmen, weil wir nicht nur für uns selbst, sondern auch als Vorbilder für unsere Kinder agieren. 

Das Smartphone, als neue Droge – mag vielleicht hart klingen, aber die Tatsache, dass Mütter zwar gemeinsam mit ihren Kinder(wagen) spazieren gehen, dabei aber ins Handy schauen – ersetzt nur das Bild, was vor Jahren noch der KaffeeToGo oder die Zigarette war. Du hast „Las Vegas“ – das scheinbare bunte Glücksleben, immer in der Hand! Es ist aber die reinste Zeitverschwendung! Zeit, die du nicht zum Plaudern hast! Zeit, die du nicht zum Hinsehen hast! Zeit, für´s echte Leben – als Mama!

Wir können nicht so tun, als würde das nichts mit unseren Kindern machen. Unsere Vorbild Funktion in den ersten Lebensjahren, entscheidet grundlegende Dinge in ihrem Leben. Und dazu gehört nun auch, der bewusste Umgang mit Medien im Mama Alltag. Wie sollen Kinder lernen, Spielzeit, Spielplatzzeit, Essenszeit, Schlafenszeit, Freundezeit, Lernzeit, usw. Selbst zu regulieren und zu trennen, wenn immer das Smartphone oder andere Internetgeräte präsent sind. Und wenn wir mal ehrlich sind, müssen wir uns eingestehen, dass selbst viele Erwachsene riesige Probleme haben, sich diesbezüglich zu regulieren.

Die Belohnung für die Zeitverschwendung

Man schaltet das Ding mit der Erwartung ein, in irgendeiner Weise belohnt zu werden – mit Likes, mit Entertainment, mit Aufmerksamkeit, mit Neuigkeiten oder mit dem Gefühl von Zugehörigkeit und das verleitet dazu, immer wieder einzuschalten.

Hinzu kommt, dass durch Corona diese Medien noch mehr genutzt werden, als vorher. Und wir noch mehr die absurde Idee in uns tragen, noch mehr im Internet nach Lösungen für unsere „noch mehr“ (Luxus)-Probleme zu suchen.

Bei einer Studie mit Studenten zählte man durchschnittlich achtzig Griffe zum Handy. Das mag bei uns Mamas weniger sein, aber trotzdem ist es zuviel. Das achtzigste Mal Zuviel entfernt, vom wahren Leben!

Deshalb mag es paradox erscheinen, dass dieser Beitrag nun ausgerechnet hier – auf einem Mamahilfe Online Blog – erscheint. Aber genau hier erreiche ich die Menschen, die ich erreichen möchte. Und genau hier finden mich nun auch die Menschen, die sich ihr „Mehr“ und „Zuviel“ selbst eingestehen (wollen). Denn wenn wir wieder mehr, über die Wangen unserer Kinder streichen, als auf die Displays unserer Handys und wieder mehr nach unseren ursprünglichen Bedürfnissen, als bei Instagram schauen – dann vergessen wir auch lieber mal das Handy Zuhause, als den Anruf bei unserer lieben Oma!

Und genau so, finden wir auch einen gesunden Umgang der über einen handyfreien Tag oder handyfreie Mahlzeiten hinaus geht. Eine echte und wirkliche Belohnung, in unserem Leben!

Wer schreibt hier?

Als Mamahilfe im Odenwald, unterstütze ich Mamas bei Krankheit & Überlastung im Familienalltag.

Die Mamahilfe ist ein Projekt, von „Mütter für Mütter“.

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